Sa
22
Mai
2010
Wahl NRW
Kommentar
Von Frank Walenszus
Das Gerangel um die Regierungsbildung in Nordrheinwestfalen gleicht einem Schmierentheater. Keiner will mit niemandem und so steht zwangsläufig die schwarz-rote Koalition auf der Tagungsordnung.
Rot-Rot-Grün ist geplatzt nachdem die SPD der Linkspartei Regierungsunfähigkeit bescheinigt hat. Freilich könnte man die Genossen insgesamt auf die Bank schicken, wenn schwarz-gelb-grün sich
einigen könnten.
Der SPD-Spitze ist ihre Abkehr von dem tiefroten ungeliebten Fast-Zwillingsbruder nicht zu verdenken. Die Linke muss endlich begreifen, dass sie im real existierenden Kapitalismus angekommen ist
und sozialistische Utopien in der Reservatkammer gelandet sind. Die DDR ist Geschichte. Das Festklammern der Linkspartei an Vergangenem lässt sie quasi zu einer nichtwählbaren Partei verkommen.
Die postrevolutionäre Linke hätte im bevölkerungsreichsten Land der Bundesrepublik unter Beweis stellen können, dass sie einen Neuanfang sucht und Regierungsverantwortung übernehmen will. Das hat
sie gründlich verspielt und Wählervertrauen enttäuscht. Der Verdacht liegt nahe, dass die tiefroten Genossen sich in ihrer Rolle als destruktive Kraft etabliert haben und wie ein Blatt im Wind
unberechenbar sind.
Gerade im Westen Deutschlands hätte man meinen können, dass die DDR als ein Unrechtsstaat eher so gesehen wird als in Ostdeutschland. Ob die Linke es wahrhaben will oder nicht: Die DDR war ein
Unrechtsstaat, ein Retortenbaby des großen Bruders Sowjetunion, das die Demokratie fürchtete wie der Teufel das Weihwasser. Das Unrecht war der DDR bereits in die Wiege gelegt. Dass ausgerecnet
den westdeutschen Linken diese Erkenntnis fehlt erstaunt. Mit dem Festhalten an der SED-Vergangenheit hat sich die Linke selbst ins Abseits gestellt. Die Linkspartei gleicht einem Kind, dem sein
liebstes Spielzeug abhanden gekommen ist. Es ist an der Zeit, dass die Linksgenossen endlich erwachsen werden und lernen, Utopie und Realität zu unterscheiden.
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