Do
06
Mai
2010
IG Metall und Leiharbeit
Kommentar
Foto: ddp
Von Frank Walenszus
Die IG Metall ist auf Abwegen. Unter dem Leitspruch „Gleiche Arbeit – gleiches Geld“ starteten die Metaller eine Aktion gegen die Leiharbeit in deutschen Firmen. Freilich um Jahre zu spät, da
mittlerweile rund 700.000 Menschen, die Dunkelziffer sei hier mal ausgeklammert, in allen Bildungsschichten betroffen sind. Wenngleich Deutschland mitunter der Musterschüler in der Umsetzung von
EU-Gesetzen ist, belegt es in diesem Fall nur die Hinterbänke. Gleiches Geld für gleiche Arbeit, davon ist man in Deutschland weiter entfernt, als Griechenland von einem stabilen Haushalt. Wer
will schon mit Fingern auf andere zeigen, wenn es im eigenen Land kaum besser ist.
Dennoch, knapp 90 Prozent der Deutschen sind sich darin einig, das Leiharbeit reguläre Stammarbeitsplätze vernichtet. Freilich, um die Kompetenz der IG-Metall noch zu erhärten, treten gleich
ehemalige Arbeitsminister wie Herbert Ehrenberg (SPD), Norbert Blüm (CDU) und Walter Riester (SPD) an, um mit einem Viertel Jahrhundert Erfahrzungen die Aktion das nötige Gewicht zu
verleihen.
Norbert Blüm kritisiert denn auch diesen Sittenverfall auf dem Arbeitsmarkt, der Frauen und Männer wie Arbeitssklaven handelt. Moderner Sklavenhandel nach turbokapitalistischem Verständnis. Blüm:
Leiharbeit sei zu einem „Trojanischen Pferd“ der Unternehmer verkommen, um gültige Tarifverträge auszuhebeln. Er appellierte an die „anständigen Arbeitgeber“, als ob es selbige gäbe, sich den
gemeinsam mit den Werktätigen aufgebauten Sozialstaat nicht „kaputtmachen zu lassen“.
Was Nobi markig beim Namen nennt, ist für Walter Riester nun dennoch zu viel. Beschwichtigend lässt er verlauten, die Praxis der letzten Jahre habe gezeigt, dass Teile der Hartzgesetzgebung 2003
aus dem Ruder gelaufen seien. Recht hat er, doch unter seiner Leitung als Bundesarbeitsminister von 1998 bis 2002 wurde die so genannte Kommission moderne Dienstleistungen am Arbeitsmark
gegründet - die Wiege für Leiharbeit und Arbeitsverträge mit Verfallsdatum.
Die Kommission war der Motor, dass das 2003 in Kraft getretene erste Hartzgesetz alle bisher gültigen Schutzvorschriften aus dem Arbeitnehmerüberlassungsgesetz gestrichen wurden. Darunter auch
die gleiche Bezahlung von Leiharbeitern und Festangestellten. Die IG-Metall hat jedenfalls damit kein Problem. Sie könne sich nicht daran erinnern, dass Riester bei diesem Gesetz maßgeblich
beteiligt war.
Wer allerdings erwartet hatte, dass sich die IG Metall in aller Öffentlichkeit damit auseinandersetzt, sieht sich getäuscht. Das Thema werde lediglich in Betriebsräten „verstärkt beworben“ so die
Metaller-Spitze. Offensichtlich ist es für die IG Metall ausreichend auf dem ökumenischen Kirchentag im Mai mit einem Stand zum Thema vertreten zu sein.
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